Jim Carrey - Wie haben wir es nur ohne ihn ausgehalten?


Die Truman Show - Jim Carrey
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"Wenn wir wegen dir draufgehen, bring ich dich um!"

Ich denke, in einem sind wir uns alle einig: Jim Carrey is the man! Nach seinem Durchbruch als durchgeknallter Tierdetektiv Ace Ventura 1994 war die Marke Jim Carrey geboren. Seine unglaubliche Gesichtsakrobatik und der charakteristische Körpereinsatz sollten ihn zu einer Legende im Komödien-Genre machen. Die Truman Show ließ die Fangemeinde des Comedians im Jahr 1998 mit offenen Mündern zurück, denn Carrey zeigte, dass er auch ernste Rollen beherrscht. Über die Jahre erspielte sich der Mann mit den vielen Gesichtsausdrücken die Herzen der Mainstream-Kinogänger und Independent-Verfechter gleichermaßen. Seit I love you Phillip Morris (2009) wurde es aber zunehmend stiller um den einstigen Publikumsliebling. Carrey trat zwar noch in Nebenrollen auf und versuchte mit Dumm und Dümmehr an frühere Erfolge anzuknüpfen, konnte aber nie ein richtiges Comeback ins Rollen bringen. In den vergangenen Wochen allerdings häuften sich die Berichterstattungen über neue Projekte, ein seltsames wie geistreiches Interview ging viral und eine Comedy-Serie wurde in Auftrag gegeben. Das alles lässt mich sein längst überfälliges Comeback wittern.

Die vielseitige Buch "Jim Carrey"

Doch blicken wir erst einmal zurück. Der Öffentlichkeit wurde Carrey als Comedian in Ace Ventura - Ein tierischer Detektiv bekannt. Von Kritikern verschmäht, schlich sich die überdrehte Komödie in die Herzen vieler Zuschauer, und das lag vor allem an Carreys Darstellung des verrückten Detektivs. Zahlreiche Zitate und Szenen des Originals sowie seines Nachfolgers Ace Ventura - Jetzt wird's wild gingen in die Popkultur ein. Ich sage nur: "Aaaalrighty then!"

Dieses Gif aus Ace Ventura zum Beispiel wird heute noch gerne verwendet:

Jim Carrey sprüht nur so vor Energie und Spielfreude, dass es ein pures Vergnügen ist, ihm zuzusehen. Ace Ventura steht für Jim Carrey und wäre ohne ihn nie zu dem geworden, was er heute für viele Fans ist. Ohne Zweifel ist das alles sehr auf die Spitze getrieben, geht als Gesamtpaket aber durchaus auf.

Der Höhepunkt seiner Karriere ist für mich nach wie vor Die Truman Show. Hier ist die Symbiose zwischen unschlagbarer Carrey-Schauspielkunst und einzigartiger Filmidee perfekt. Carrey gibt den unbescholtenen Truman Burbank, der sich inmitten seiner eigenen TV-Show befindet, ohne es zu wissen. Die Darstellung seines Charakters ist an manchen Stellen sehr ernst, an anderen schimmert sein unvergleichlicher Humor durch. Diese gelungene Zusammenführung zweier Extreme brachte ihm schließlich einen Golden Globe ein.

Faszinierend war für mich auch seine Darstellung in Vergiss mein nicht! an der Seite von Kate Winslet. Die Casting-Entscheidung ist für mich eine der verblüffendsten überhaupt. Winslet agiert als lebensfrohe, abgedrehte und wankelmütige Figur, während Carrey den introvertierten, einsilbigen Eigenbrötler gibt. "Manchmal weiß ich einfach nicht, was ich sagen soll.", klingt extrem verwirrend aus Carreys Mund, ist aber gleichzeitig so real und feinfühlig gespielt, dass ich es ihm einfach glauben muss.

Diese Vielseitigkeit und Wandlungsfähigkeit möchte ich in Zukunft öfter von ihm sehen. Was ich an den obigen Filmen so mochte, waren die stets neuen Facetten, die ich bei dem Schauspieltalent entdecken konnte. Jedes Projekt eröffnete mir eine neue Seite des umfangreichen Buches "Jim Carrey". Welche Seiten gibt es noch zu lesen, frage ich mich? Es wird Zeit, das leicht angestaubte Werk wieder aus dem Regal zu nehmen und erneut aufzuschlagen.

Achtung vor der Routineschleife

Dabei begegnen mir allerdings ein paar Seiten, die ich liebend gerne ausreißen würde. Wie wäre es zum Beispiel mit der Fortsetzung von Dumm und Dümmer? Im Originalfilm stolperte Carrey als Lloyd Christmas mit seinem Kollegen Jeff Daniels als Harry Dunne durch ein extrem lächerliches Abenteuer. Doch immerhin gab er seiner Rolle wieder ein unverkennbares Markenzeichen. Die Topffrisur und seine Zähne führten in Dumm und Dümmer quasi ein unkontrollierbares Eigenleben. Dumm und Dümmehr (OT: Dumb and Dumber To) entpuppte sich als dämliche Fortsetzung, auch wenn sie ein finanzieller Erfolg war. Im Film schwang ein Hauch des alten Charmes mit. Letztendlich konnte er aber einfach nicht an die unverbrauchte Frische des ersten Films anknüpfen.

Ich denke, dass Carrey mehr zu bieten hat als aufgewärmte Versionen seiner früheren Projekte. Gerade mit der Fortsetzung von Dumm und Dümmer lief er Gefahr, in eine Art Routineschleife seines eigenen Comedy-Stils zu geraten. Wenn ich eines nicht will, dann Carrey im Automatik-Modus. Deshalb ist mein Vorschlag: ein Abschied von seinen Darstellungen aus Filmen wie Ace Ventura, Bruce Allmächtig oder Der Ja-Sager. So gut er seine Grimassen und charakteristischen Bewegungen auch drauf hat - dieses Kapitel sollte er ein für alle mal abschließen.

Auf einem guten Weg zum perfekten Comeback

Glücklicherweise befindet sich Carrey auf dem besten Wege in ein wunderschönes Comeback. Denn auf filmischer Ebene hat der Schauspieler einige neue Projekte am Laufen. Zunächst wäre da die Dokumentation mit dem wundersamen Titel Jim & Andy: The Great Beyond - The Story of Jim Carrey, Andy Kaufman and Tony Clifton. Der 94-minütige Film setzt sich mit der Entstehung des Films Der Mondmann auseinander. Auf dem Filmfestival in Toronto kam das Projekt bei den Kritikern bereits sehr gut an. Zentrum der Dokumentation ist Carreys Fähigkeit, sich die Figur des eigenwilligen Komikers Andy Kaufman anzueignen. Erstmals erhalten Carrey-Fans einen Einblick in die Techniken seines Schauspielkönnens. Carrey war am Set von Der Mondmann eine wahre Last für die Filmcrew, da er sich weigerte, aus seiner Rolle des Andy Kaufman oder Tony Clifton (eine Kunstfigur Kaufmans) zu treten. Filmaufnahmen geben Zeugnis davon, wie intensiv und anstrengend, obschon effektvoll die Dreharbeiten gewesen sein müssen.

Diese Dokumentation bringt Carrey wieder in die öffentliche Wahrnehmung. Dass der Komiker schon immer seine nachdenklichen Seiten hatte, ist bekannt. Laut eigener Aussagen hatte er auch depressive Phasen, in denen er Medikamente nahm. Diese Zeiten scheinen zwar vorbei; dafür ist Carrey nun zurück - rätselhafter denn je. Für ein anderes Filmprojekt ließ er sich einen Bart wachsen. Und so erschien er in Interviews aus jüngster Zeit öfter als weiser, leicht verrückter Mann. Manchmal weiß man nicht, ob man lachen soll oder lieber das Weite suchen sollte. Doch da liegt die Faszination einer solchen Schauspielerpersönlichkeit schließlich begraben.

Vor wenigen Wochen erst verwirrte ein Interview mit dem - nun wieder bartlosen - Carrey das Internet nachhaltig:

Anscheinend hat Jim Carrey sich in den letzten Jahren und auch in der Dokumentation viel mit sich selber beschäftigt und ist zu dem Entschluss gekommen, dass es gar kein "Ich", keine Identitäten gibt. Egal, was man von seinen Aussagen halten mag, erscheint mir dieser Ansatz wie eine Zuspitzung des Schauspieler-Daseins. Vor allem Method-Schauspieler haben die Angewohnheit, sich so weit in einer Rolle zu verlieren, dass sie in einigen Momenten gar nicht mehr sie selbst sind. Es bleibt zurück: Eine leere Hülle. Doch ich möchte nicht weiter auf den Carrey'schen Existentialismus eingehen. Ich habe diesen Punkt hier angesprochen, um seine Entwicklung als Persönlichkeit zu illustrieren, die meiner Meinung nach eng mit seinen Rollen verknüpft ist. Aber zunächst gehen wir lieber davon aus, dass es Jim Carrey sehr wohl gibt.

Diese weiteren Kapitel erwarten uns

Gespannt bin ich zum Beispiel auf den Kriminalfilm True Crimes, in dem Carrey eine ernsthafte Rolle als Polizist übernimmt. In dem Film mit düsterem Schwedenkrimi-Look ist er auf der Jagd nach einem Schriftsteller, der seine mörderische Tat bizarrerweise in einem Kriminalroman veröffentlicht hat. Ich kann es ehrlich gesagt kaum abwarten, Carrey wieder in einer ernsten Rolle zu sehen. Dazu kommt, dass man ihm seine mittlerweile 55 Jahre ansieht - und das finde ich gut so. Sein Gesicht erzählt damit eine Geschichte und seine Augen erscheinen mir noch viel lebendiger als früher. Mir würde es gefallen, wenn der Film eine psychologisch vielschichtige Botschaft hat und uns Zuschauer auf eine spannende Reise in das Gehirn eines Mörders mitnimmt. Wann der Thriller Deutschland erreicht, ist leider noch ungewiss.

Zuletzt möchte ich auf die neulich angekündigte Serie Kidding eingehen. Wie viele seiner Kollegen, wagt sich also auch Carrey mit einer Hauptrolle ins Fernsehen (zurück). Erneut wird er sich in die Persönlichkeit eines Comedians versetzen. Diesmal ist es die Kinder-TV-Ikone Jeff alias Mr. Pickles, der er Leben einhauchen wird. Interessanterweise geht es wieder um zwei Extreme: Während Jeff auf der Bühne überaus erfolgreich ist, sieht er sich privat mit dem Zusammenbruch seiner Familie konfrontiert. Carrey arbeitet in der Comedyserie mit Regisseur Michel Gondry zusammen, der auch im Regiestuhl von Vergiss mein nicht! saß. Diese spannende Kombination lässt auf eine gelungene Mischung aus Humor und Drama hoffen. Die Aussage des Showtime-CEO David Nevins schürt meine Vorfreude nur noch mehr:

Niemand macht sich einen Charakter so zu eigen wie Jim Carrey, und diese Rolle [...] wird das TV-Publikum sich fragen lassen, wie sie nur so lange ohne ihn auskommen konnten. Mit seinem Vergiss Mein Nicht!-Partner Michel Gondry als Regisseur an Bord sind wir auf dem Weg zu einer unwiderstehlichen, heftigen und emotionalen Seherfahrung.

Wie konnten wir es nur ohne ihn aushalten?

Um zu meiner Buch-Metapher zurückzukommen: Mit Jim Carrey erging es mir wie mit einem dieser Bücher, die ich früher sehr gern hatte, die ich aber irgendwann im Regal zurückließ und bei all den anderen Ablenkungen einfach vergaß. Beim Aufräumen entdeckte ich es wieder und konnte es einfach nicht mehr zurücklegen. Einmal offen, konnte ich nicht genug davon kriegen. So faszinierend, spannend, facettenreich, vielfältig und verdammt witzig (!) ist es. Heute noch. Oder eben: heute wieder.

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