Stirb langsam 6 stellt die Actionreihe vor ein gewaltiges Problem


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Bruce Willis wird in McClane, dem mittlerweile sechsten Teil der Stirb langsam-Reihe, wieder in seine Paraderolle des John McClane schlüpfen. Diese Aufgabe übernimmt der 63-Jährige aber nicht ganz alleine: Ein junger Schauspieler soll ihm dieses Mal als junger John McClane zur Seite stehen und die Origin-Story der Figur bei der New Yorker Polizei erzählen.

Die Handlung von Stirb langsam 6 soll, soweit bekannt, zwischen den zwei verschiedenen Zeitlinien hin- und herspringen und ein Bild davon vermitteln, wie sich der Held wider Willen in den Jahren dazwischen verändert hat. Im Kontext der Filmreihe wird McClane also sowohl die jüngste als auch die älteste Version der Figur beinhalten, die wir bisher gesehen haben. Das ist vor allem aufgrund der Eskalation der Action in den Fortsetzungen und des Karrierewandels ihres Hauptdarstellers Bruce Willis problematisch. Um aufzuzeigen, warum, müssen wir dahin zurückgehen, wo McClanes Geschichte angefangen hat: an Heiligabend im Nakatomi Plaza in Los Angeles.

Die schleichende Eskalation der Stirb langsam-Reihe

Das Publikum lernte John McClane erstmals im Jahr 1988 kennen. In John McTiernans Action-Meisterwerk Stirb langsam, in dem es der ruppige Macho mit dem gerissenen Terroristen Hans Gruber (Alan Rickman) zu tun bekommt. Eingesperrt in einem Bürohochhaus voller Krimineller war der Cop gezwungen, seine Familie aus den Klauen des Schurken zu befreien und das Weihnachtsfest zu retten. Die Handlung spielt sich größtenteils an einem Ort ab und der damalige Comedy-TV-Star Willis verkörpert John McClane als abgehalfterten, verletzlichen Everyman, der umständehalber zum Actionhelden wird.

In Teil 2, Stirb langsam 2, wird John McClane abermals vom Schicksal gebeutelt, als er - natürlich wieder an Weihnachten - am Flughafen auf die Maschine seiner erneuten Frau Holly wartet und dieser von Terroristen übernommen wird. Die Regiearbeit in Teil zwei übernahm der exzessaffine Genreregisseur Renny Harlin, der McClane im Finale ein ganzes Flugzeug in die Luft sprengen lässt. Dennoch bleibt Willis' Figur aber derselbe Normalo wie im ersten Teil.

Für Teil 3, Stirb langsam - Jetzt erst recht, kehrte McTiernan zurück zu Stirb langsam und verlegte die Action erstmals in ein größeres Stadtgebiet und in die Sommerzeit. Außerdem wurde McClane mit Sam Jacksons Zeus zum ersten Mal ein Buddy an die Seite gestellt, der ihn den ganzen Film über in Fleisch und Blut zur Seite steht. Die Geschichte schließt mit einem Bogen zum ersten Teil, der Antagonist ist ein Verwandter Hans Grubers, der es auf John McClane persönlich abgesehen hat. Der Film endet damit, dass sich unser Held mit seiner abermals entfremdeten Frau versöhnen will. Eigentlich ein perfekter Abschluss, doch ab hier beginnt das Franchise, zu entgleisen.

Stirb langsam wird zu Stirb endlich

In den letzten beiden Filmen Stirb langsam 4.0 und Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben ist John McClane als Figur kaum noch wiederzuerkennen. Statt eines sarkastischen Losers, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat, wird dem Publikum hier ein müder Action-Superheld präsentiert. Die erwachsenen Kinder John Jr. (Jai Courtney) und Lucy McClane (Mary Elizabeth Winstead) halten die Tradition der entfremdeten Familienmitglieder aufrecht, Sympathie für ihren abgehalfterten, distanzierten Vater aufzubringen, ist jedoch diesmal erheblich schwerer. Auch, weil die Verletzlichkeit McClanes, de ihn vormals definierte, komplett aus den Actionszenen verschwunden ist. Diese wirken wie aus einem Videospiel und Willis trotz seines gesteigerten Alters unverwundbar. Im fünften Teil sieht der ehemalige Charmebolzen so aus, als wäre er von diesem Umstand selbst zu Tode gelangweilt.

Das Problem, vor dem McClane-Regisseur Len Wiseman, der bereits den vierten Teil inszenierte, jetzt steht, ist folgendes: Bruce Willis schlafwandelt seit einer halben Ewigkeit nur noch durch seine Projekte (Death Wish, First Kill, Red 2), seine Figur John McClane ist ein Langweiler und sein jüngeres Gegenstück kann nur bedingt Eindruck schinden, weil das nachträglich seiner Wandlung im ersten Teil widersprechen würde. Wenn McClane bereits vor seiner Schicksalsnacht im Nakatomi Tower ein unaufhaltsamer Actionheld war und weitaus heftigere Situationen erlebt hat, nimmt das seiner Figur den Pechvogel-Charakter, der ihn damals so liebenswert gemacht hat. Was also soll dieser junge John McClane überhaupt im Film machen?

Da Bruce Willis seit Jahren Arbeitsverweigerung betreibt, stellt sich die Frage, ob er überhaupt noch einmal in der Lage ist, die Motivation für einen überzeugenden John McClane aufzubringen, denn niemand will noch einmal die Qualen des fünften Teils durchleiden müssen. Dazu kommen die Herausforderungen, die die Integration einer jüngeren McClane-Version mit sich bringt: Womöglich stiehlt sie Willis komplett die Show, während sich dieser endgültig aufs Abstellgleis verabschiedet. Oder noch schlimmer: Es endet wie Jay Courtney, der seinerzeit schon scheiterte, da er zu krampfhaft als Nachfolger in die Reihe integriert wurde. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass hier niemand so richtig weiß, was für eine Art Film überhaupt gemacht werden soll. Vielleicht überrascht McClane und stellt den Ruf eines der coolsten Actionhelden aller Zeiten wieder her. Sehr viel mehr kann er zumindest kaum noch beschädigt werden. Skepsis ist trotzdem angebracht.

Glaubt ihr, McClane kann die Stirb langsam-Reihe trotzdem retten?

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