The Gifted - Die neuste X-Men-Serie im Check


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Update: Der Artikel wurde erstmals zum Start von The Gifted in den USA am 04.10.2017 veröffentlicht. Wir haben ihn für euch zum Deutschlandstart der Serie bei FOX aktualisiert.

Mit The Gifted startete 2017 bereits die zweite X-Men-Serie, nachdem Legion im Januar letzten Jahres Premiere feierte. Genau wie dort ist der Bezug zum Kino-Universum der Marvel-Mutanten allerdings recht lose: Laut Showrunner Matt Nix existiert The Gifted nicht in einer der Film-Zeitlinien. So können sich die verfolgten Hauptfiguren auch nicht an Wolverine oder Professor X wenden, denn diese sind in The Gifted ebenso verschwunden wie Magneto und seine Bruderschaft. Aber der Reihe nach.

Kein Herz für Mutanten

Trotz der Abwesenheit seiner Kino-Schützlinge inszenierte Bryan Singer die Pilot-Episode von The Gifted, die allerdings naturgemäß weit weniger bombastisch als seine Leinwand-Abenteuer daherkommt, und zudem wesentlich konventioneller als Legion von Noah Hawley. Noch bevor wir die im Mittelpunkt stehende Familie Strucker kennenlernen, erleben wir die atemlose Flucht einiger Mutanten vor der Polizei, die für eine von ihnen aber mit der Festnahme endet. Die Unglückliche namens Lorna bzw. Polaris (Emma Dumont) kann Magnetismus kontrollieren und steckt später in einem Plastikgefängnis wie einst Magneto, allerdings ist sowohl dieses als auch die Darstellung der Mutanten-Kräfte eher zweckmäßig als ehrfurchtgebietend.

Die Haftanstalt bildet auch die erste Schnittstelle zwischen den Mutanten und den Struckers, denn Familienvater Reed (Stephen Moyer) ist als Staatsanwalt damit betraut, Mutanten wegsperren zu lassen. Dass er aber gar nicht so tough ist, wie zu vermuten steht, zeigt sich schon zuvor, als er mit seiner Frau Caitlin (Amy Acker) in der Highschool seines Sohnes Andy (Percy Hynes White) vorspricht. Der ist Opfer von Mobbing durch seine Mitschüler, und den Ausflüchten des Schul-Verantwortlichen begegnet Reed zwar mit eiserner Härte. Als er mit seiner Frau allein ist, fragt er sie allerdings lachend, ob sein Auftritt nicht zu viel des Guten war.

Nichts wie weg!

Auf jeden Fall haben Andy und seine Schwester Lauren (Natalie Alyn Lind) einen deutlichen Vorteil gegenüber den meisten Jung-Mutanten der X-Men-Filme, als die beiden anlässlich einer erneuten Quäl-Attacke auf Andy durch seine Mitschüler während eines Schulballs ihre Superkräfte entfesseln und die Schule demolieren: Während die Eltern-Reaktionen in den X-Men-Filmen bestenfalls aus "Kannst du dir das nicht ganz schnell abgewöhnen?" bestehen, eher jedoch aus panischem Entsetzen und Kontaktabbruch, beschließt Reed mitsamt seiner Frau und den Kindern zu fliehen.

Denn kurz nach dem Vorfall stehen bei den Struckers die Sentinel Services vor der Tür, die vielleicht nicht ganz zufällig die Initialen SS tragen. Wie Reed aus seiner Berufspraxis weiß, bedeutet es nichts Gutes, wenn diese Regierungsbehörde jemanden mitnehmen will, um die drakonischen Mutanten-Verordnungen durchzusetzen. Wie es dazu kam, dass das Misstrauen gegenüber Mutanten zu diskriminierender Gesetzgebung und Blitzinhaftierungen führte, wird in der ersten Folge von The Gifted allerdings nur angedeutet: Lange Zeit hätten sich ständig Mutanten bekämpft und Unschuldige in Mitleidenschaft gezogen. Nun ist die einzige Hoffnung für solcherlei Begabte, die USA über die Grenzmauer nach Mexiko zu verlassen, wo die entsprechenden Gesetze weniger streng sind.

Zu diesem Zweck muss Reed zunächst Kontakt zum Mutantenuntergrund aufnehmen, einer Art A-Team für Spezialbegabte in Schwierigkeiten, dessen Mitglieder wir schon in der Eröffnungssequenz kennengelernt haben. Beim ersten Treffen mit deren Anführer Marcos Diaz bzw. Eclipse (Sean Teale) in einer Bar, die auch einen obligatorischen Cameo-Auftritt bietet, läuft passenderweise Don't Let Me Be Misunderstood. Bei ihrer späteren gemeinsamen Flucht werden die Struckers und die Untergrundler schließlich von den Sentinel Services gestellt, die sie mit fiesen Roboter-Spinnen dingfest machen wollen, woraus sich auch mit reduzierten TV-Mitteln die visuell schönste Sequenz der The Gifted-Pilotfolge ergibt, obligatorischer Cliffhanger inklusive.

Zukunftsaussichten

Die 2. Folge von The Gifted sollten dann nicht nur jene sehen, die wissen wollen, wie die Geschichte weitergeht, sondern auch diejenigen, die erfahren möchten, ob aus der bisher noch recht generischen Mischung etwas Eigenständiges entsteht. Wie bei Pilotfolgen zumeist üblich, wird erst einmal viel eingeführt, ohne diesem die Gelegenheit zu geben, sich besonders zu entfalten. Die Flucht-Geschichte verläuft in erwartbaren Bahnen, und weder die Mitglieder der Familie Strucker noch die Untergrund-Mutanten offenbaren große Individualität. Letztere werden bisher vor allem über ihre Fähigkeiten definiert, abgesehen von Clarice Fong bzw. Blink (Jamie Chung), die anhand eines mit ihrer Portal-Fähigkeit unbedacht zerteilten Hundespielzeugs und dessen späteter Reparatur ein Auge fürs Detail beweist.

Mehr: The Gifted - Alles, was ihr über die neue X-Men-Serie wissen müsst

Potential für eine interessante Ausarbeitung deutet die 1. Folge vor allem in Sachen Anbindung an das X-Men-Franchise und politischer Relevanz an: Warum sind sowohl X-Men als auch Bruderschaft verschwunden? Was hat zum "erweiterten Patriot Act" geführt? Warum sind die Anti-Mutanten-Gesetze in den USA strenger als in Mexiko? Wie ist überhaupt die politisch-gesellschaftliche Situation in den USA? Und wie wird das Ganze genutzt, um die aktuelle reale Lage in den USA zu kommentieren? Einen kleinen Ausblick hierauf bietet schon einmal die Post-Credits-Szene, in der ein sehr patriotischer, aber zunächst nicht unbedingt als künstlich erkennbarer Werbespot der Sentinel Services von einer Nachricht des Mutanten-Untergrunds gestört wird. Mehr solcher unerwarteter Unterbrechungen können auch der Serie nur guttun.

The Gifted läuft ab heute jeden Mittwoch um 21.00 Uhr bei FOX.

Was haltet ihr von der 1. Folge von The Gifted?

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