The Walking Dead: Wie Ricks Ausstieg ausgeschlachtet wird


Andrew Lincoln als Rick Grimes in The Walking Dead, Staffel 9
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Andrew Lincoln als Rick Grimes in The Walking Dead, Staffel 9
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Was ist gerade bei The Walking Dead los? Jene Serie, die vor zwei Jahren noch für einen der gewaltigsten Cliffhanger der jüngeren Seriengeschichte verantwortlich war, fährt momentan eine unerwartete Marketing-Kampagne, die offensiv all jene Informationen verrät, die für gewöhnlich fett als Spoiler markiert werden würden. Ein halbes Jahr ist es her, dass wir erstmals über den möglichen Ausstieg von Hauptdarsteller Andrew Lincoln berichteten, kurze Zeit später konnte nicht einmal mehr von einem offenen Geheimnis geredet werden. Geradezu aggressiv streute AMC die Kunde, dass die letzten Stunden von Rick Grimes angebrochen sind.

Warum kündigt The Walking Dead Andrew Lincolns Ausstieg so offensiv an?

Daraufhin haben wir uns gefragt, ob The Walking Dead ohne seinen Hauptdarsteller, auf dessen Schultern die gesamte Mythologie der Geschichte lastet, überhaupt funktionieren kann. Immerhin baut auch Robert Kirkman seine Comic-Vorlage seit dem ersten Band um Rick als Protagonisten auf. Die aktuellen Episoden der Verfilmung beweisen ebenfalls, dass der Sheriff in der Zombie-Apokalypse so dringend gebraucht wird wie nie zuvor. Ob The Walking Dead ohne Rick überleben kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen müssen. Sicher ist nur, dass wir uns auf ein ganz anderes The Walking Dead gefasst machen dürfen. Doch warum schlachtet AMC nach der Geheimniskrämerei vergangener Staffeln den bevorstehenden Abgang aus, der auch Lauren Cohans Maggie betrifft? Wir haben einige Beobachtungen zusammengetragen.

  • Zuerst wäre da Andrew Lincoln, der nie verlegen war, sich ein Ende von Rick Grimes auszumalen. Schlussendlich hat er aber die letzten acht Jahre seiner Karriere mit der AMC-Serie verbracht und will neue Dinge ausprobieren. Die Familie spielt bei seiner Entscheidung ebenfalls eine Rolle, wie der The Walking Dead-Star selbst erklärt.
  • Scott M. Gimple hat seinen Posten als Showrunner von The Walking Dead aufgegeben, um das Franchise bei AMC fortan als Chief Content Officer zu beaufsichtigen. Damit ist er der Showrunner, der The Walking Dead am längsten formen konnte. Mit seiner Nachfolgerin, Angela Kang, bieten sich viele Veränderungen und ein Kurswechsel an.
  • Dass der Kurswechsel bei einer Serie, die nach acht Staffeln weiterhin relevant sein will, heutzutage absolut notwendig ist, zeigen die aktuellen Quoten. Ungeachtet der Qualität neuer und alter Episoden musste The Walking Dead zuletzt sinkenden Zahlen entgegenwirken. Zwar mag die Serie immer noch AMCs Goldesel sein, doch der Sender will sein Flaggschiff für mindestens zehn weitere Jahre rüsten. Die Quoten zumindest kurzfristig zu stabilisieren, kann die große Ankündigung des Ausstiegs sicherlich leisten:

Der letzte Punkt dürfte fraglos der sein, der AMCs ungewohntes Marketing am meisten beeinflusst. The Walking Dead kämpft in einer Zeit, in der Streaminganbieter jede Woche das nächste Game of Thrones ankündigen, um seine Relevanz. Als klassische Network-Serie etabliert konnte sich der Überlebenskampf in der Zombie-Apokalypse bis dato ausgesprochen gut gegen die Konkurrenz behaupten, doch das Eis wird dünn. Die Quoten zumindest kurzfristig zu stabilisieren, kann die große Ankündigung des Ausstiegs sicherlich leisten:

Die Quoten des jüngsten Staffelauftakts stürzten im Vergleich zur entsprechenden Episode aus dem Vorjahr um 50 Prozent ein. Natürlich lassen sich diese Zahlen relativieren, etwa durch AMCs Service, die neuen Folgen seinen Kunden 24 Stunden lang nach Erstausstrahlung zur Verfügung zu stellen. Dennoch kann The Walking Dead momentan nicht mehr an einstige Spitzenwerte heranreichen - und wenn die Zuschauer erst später einschalten, ist das ebenfalls ein klares Zeichen für die schwindende Priorität der Serie.

The Walking Dead inszeniert das Serien-Event des Jahres

Als Reaktion auf diese Entwicklung hat es sich The Walking Dead für die 1. Hälfte der 9. Staffel zur Aufgabe gemacht, das größte Event des Serienjahres zu inszenieren, bevor 2019 alle nur noch über das Finale von Game of Thrones reden werden. Erneut besinnt sich AMC auf seine Stärke als traditioneller Kabelsender und erschafft ein Ereignis, das bei den Zuschauern das Gefühl weckt, Teil von etwas Größerem zu sein. Nach all den Stunts, die diese Serie im Verlauf von acht Staffeln durchgezogen hat, wird nun der Ausstieg des Hauptdarstellers zelebriert. Neben Walter White und Jon Snow gehört Rick Grimes zweifelsohne zu den populärsten Serienfiguren der vergangenen Dekade. Wenn diese Figur - auf welchem Weg auch immer - aus The Walking Dead ausscheidet, will AMC sichergehen, dass jeder potentielle Zuschauer davon Wind bekommt.

Das Personal hinter der Kamera zeugt zumindest von einem vorgezogenen Serienfinale: Scott M. Gimple kehrt zum 1. Mal seit Staffel 8 als Drehbuchautor zurück und Zombie-Maestro Greg Nicotero fungiert als Regisseur von Ricks Abschiedsfolge. Besonders interessant gestaltet sich außerdem der Zeitpunkt: Rick verschwindet inmitten einer angebrochenen Staffelhälfte, nicht vor der Winterpause und erst recht nicht am Ende. Diese Folge soll Hunger schaffen, sodass sich The Walking Dead in den drei Wochen danach selbst rebooten kann. AMC begreift Andrew Lincolns Ausstieg nicht als Verlust, sondern als Chance, um The Walking Dead wieder attraktiv zu machen - und bereits jetzt wird gemunkelt, dass es kein endgültiger Abschied ist.

Wie transformationsfähig eine solche Serie ist, bewies zuletzt das hauseigene Spin-off Fear the Walking Dead, das ursprünglich an einem ganz anderen Punkt in der Zombie-Apokalypse startete, inzwischen aber kaum noch von der Mutterserie zu unterscheiden ist, nicht zuletzt dank einer Figur, die beide Serien konkret verbindet. Wir dürfen gespannt sein, was sich AMC und vor allem Angela Kang für die Zukunft von The Walking Dead ausgedacht haben.

Die 9. Staffel von The Walking Dead wird sonntags in den USA auf AMC ausgestrahlt und ist hierzulande einen Tag später auf FOX und über Sky Ticket zu sehen.

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