Warum Netflix jetzt wegen seines großen Überraschungserfolgs verklagt wird


Black Mirror: Bandersnatch
© Netflix
Black Mirror: Bandersnatch

Seit Black Mirror: Bandersnatch zwischen Weihnachten und Neujahr bei Netflix veröffentlicht wurde, sorgt der Film für Aufsehen. Bisher allerdings musste sich das interaktive Science-Fiction-Abenteuer höchstens gegen Kritiker zur Wehr setzen, die beklagen, dass die Grundidee des Films eigentlich gar nicht so originell und zudem schlecht umgesetzt ist.

In der Auskopplung der Serie Black Mirror trifft der Zuschauer viele Entscheidungen innerhalb der Handlung selbst, was zu unterschiedlichen und teilweise spektakulären Wendungen und Enden führt.

Richtig dicke kommt es erst jetzt für Netflix und Bandersnatch. Wie Variety berichtet, sieht sich der Streaming-Anbieter Netflix wegen seiner Verbreitung von Bandersnatch einer Klage ausgesetzt. Chooseco LLC wirft Netflix vor, Bandersnatch greife in die Markenrechte seiner Choose your own Adventure-Reihe ("Wähl' dein eigenes Abenteuer") ein. Die Klage des Verlages gegen Netflix ging am Freitag beim amerikanischen Bundesgericht ein.

Worum geht es in den Vorwürfen gegen Netflix genau?

Chooseco will die Wahrnehmung seiner Marke schützen, entnimmt Variety der Klageschrift. Chooseco befürchtet, dass die Verwendung des geschützten Markennamens Choose your own Adventure zu einer Trübung der Markenwahrnehmung in der Öffentlichkeit führt. In dem Film wird die bekannte Wortfolge "Choose your own Adventure" von Figuren einige Male genutzt.

Die Choose your own Adventure-Bücher sind bekannt für eine kindgerechte Ausrichtung. Der Netflix-Film Bandersnatch jedoch geht mit Darstellungen von Gewalt, Mord und Drogenmissbrauch locker um. Diese Bilder in Verbindung mit dem Markennamen Choose your own Adventure könnten der Marke schaden, fürchtet Choosecco. Um zu verhindern, was jetzt gerade passiert, soll Netflix laut Variety seit 2016 vergeblich versucht haben, eine Lizenz zu erhalten, um den Satz Choose Your Own Adventure legal zu gebrauchen.

Was droht Netflix mit der Klage?

Für einen Ausgleich der entstandenen Schäden fordert der Verlag mindestens 25 Millionen US-Dollar von Netflix. Shannon Gilligan, die Witwe des verstorbenen Erfinders der Choose Your Own Adventure-Serie will bis dahin vor allem hervorheben, dass sich die Netflix-Interpretation einer interaktiven Erzählung elementar von den Erzeugnissen ihres Verlages unterscheidet. Sie wolle klarstellen, dass der Film Bandersnatch nichts zu tun haben mit den vom Verlag vertretenen Werten und Regeln im Choose your own Adventure-Genre.

Denn "die widerrechtliche Aneignung unserer Marke durch Netflix stellt eine extreme Herausforderung für einen kleinen unabhängigen Verlag wie Chooseco dar", sagte Gilligan in einem Statement. So hätten die drohenden sinkenden Buchverkäufe und wahrscheinlichen Auswirkungen des Netflix-Films auf Verhandlungen mit Lizenzpartnern Chooseco keine andere Wahl gelassen, als vor Gericht zu gehen. Variety hat Netflix um ein Statement gebeten, bislang aber keine Antwort erhalten.

Die Klage gegen Netflix ist nicht die erste, die in einem solchen Fall von Chooseco ausgeht. 2007 bewarb DaimlerChrysler seinen Jeep Patriot mit einer Choose Your Adventure-Kampagne. Der Streit wurde damals ohne Gerichtsverhandlung bereinigt.

Könnt ihr die Vorwürfe gegen Netflix nachvollziehen?

moviepilot Team
Surfer Rosa Hendrik Busch
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Hält sich jung mit Coming-of-Age-Filmen.
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