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Found Footage Horrorfilme: Zu Unrecht unterschätzt?

Was ist Found Footage Horror?


Nightshot im Found Footage Stil
© Christoph Borzikowsky
Nightshot im Found Footage Stil

Ich habe mich schon immer für Filme aller Art interessiert. Ich lache, ich weine, ich fiebere mit den Protagonistinnen und Protagonisten mit. Am stärksten sind meine Emotionen jedoch bei Horrorfilmen, die das leise Gefühl der Angst heraufbeschwören. So stieß ich irgendwann auf das Subgenre des Found Footage Horrorfilms.

Found Footage ist zunächst einmal nur eine besondere Drehweise, bei der die Protagonistinnen und Protagonisten sich selbst mit Handkameras filmen. In modernen Found Footage Filmen kommt auch gerne mal das Smartphone zum Einsatz. Dabei ist das Bildmaterial häufig verwackelt ("shaky cam") und mit Bildstörungen versetzt, was die Glaubwürdigkeit des Filmmaterials erhöhen soll. Es wird dadurch suggeriert, dass es sich um ganz normale Personen handelt, die nebenbei ihren Alltag filmen. Tatsächlich sind die meisten Schauspielerinnen und Schauspieler in Found Footage Filmen auch relativ unbekannt.

Doch warum heißt es nun "Found Footage"? Oft passiert im Laufe der Handlung etwas Unvorhergesehenes und die Protagonistinnen und Protagonisten verschwinden spurlos oder sterben. Das einzige, was später von der Polizei gefunden wird, ist ihr Filmmaterial. Dabei sind Filme im Found Footage Stil nicht immer Horrorfilme, jedoch ist die überwiegende Mehrheit in diesem Genre angesiedelt.

Den ersten Kontakt mit Found Footage Horrorfilmen hatte ich 2009 mit dem Blair Witch Project. Drei Personen, zwei Männer und eine Frau, wollen eine Dokumentation über eine angebliche Hexe in den Wäldern von Maryland drehen und verlaufen sich dabei immer mehr im Dickicht. Das Drehbuch des Films wurde unter Verschluss gehalten und nur stückweise im Laufe der Handlung offenbart, so dass die Angst der Schauspielerinnen und Schauspieler nicht nur gespielt war. Um die körperliche und seelische Anspannung zu erhöhen, wurden die täglichen Mahlzeiten auf ein Minimum reduziert. Herausgekommen ist dabei ein Found Footage Horrorfilm, der unter die Haut geht und mir noch heute einen riesigen Schrecken einjagt. Dazu trägt auch der minimalistische Soundtrack bei, der in meinen Ohren wahnsinnig unheimlich klingt (Antonio Cora - The Cellar).

Eine Besonderheit des Blair Witch Projects ist auch die Verwendung von Nightshots, also das Umschalten der Kamera auf Nachtsicht (siehe Foto oben, das ich mit der Nightshot-Funktion meiner Kamera gemacht habe). Die grünlich-grissligen Bilder sind mittlerweile in vielen anderen Found Footage Horrorfilmen zu sehen (z.B. Grave Encounters, Atrocious oder [REC]).

Nach dem großen Erfolg des Blair Witch Projects kamen immer mehr Found Footage Horrorfilme auf den Markt, die mal mal besser und mal schlechter ausfielen. Auch die in meinen Augen schlechte Fortsetzung Blair Witch 2: Book of Shadows sowie die bessere Fortsetzung Blair Witch ließen nicht lange auf sich warten. Es wurde viel versucht und mit vielen Themen herumexperimentiert. So gibt es Found Footage Horrorfilme mit Außerirdischen (Area 51, Europa Report, Apollo 18, The Gracefield Incident), mit Geistern (Paranormal Activity, Grave Encounters), mit Monstern (Exists - Die Bigfoot-Legende lebt!, Evidence - Überlebst du die Nacht?, The Tunnel - Fürchte die Dunkelheit, Katakomben), mit Untoten ([REC], [REC]², [REC]³: Genesis, [REC] 4: Apocalypse, The Pyramid - Grab des Grauens ) und mit übernatürlichen Kräften (Chronicle - Wozu bist du fähig?, Afflicted, Der letzte Exorzismus, Der letzte Exorzismus: The Next Chapter) - diese Liste ist selbstverständlich nicht vollständig.

Trotz dieser großen Vielfalt mit schwankender Qualität glaube ich, dass das Genre des Found Footage Horrorfilms seinen Zenit noch lange nicht überschritten hat. Wahrscheinlich werden an dieser Stelle mir viele Filmkritiker widersprechen. Doch es gibt genügend Gegenbeispiele, die ich hier nicht unerwähnt lassen möchte. Die drei V/H/S-Filme V/H/S, V/H/S 2 und V/H/S: Viral beispielsweise sind zwar typische Found Footage Horrorfilme, aber auf ihre Art erfrischend anders. Wie in einem Episodenfilm gibt es viele interessant-schaurige Kurzgeschichten, die im H. P. Lovecraft-Universum spielen könnten.

Meiner Meinung nach werden Found Footage Horrorfilme einfach unterschätzt. Zu billig die Machart, zu unbekannt die Schauspielerinnen und Schauspieler, zu vorhersehbar die Handlung. All das sollen Argumente sein, die Found Footage Horrorfilme als "stupiden Trash" abhandeln. Nicht selten höre ich das Argument "Das könnte ja selbst ich besser schauspielern."

Selbst ich? Richtig, selbst ich, denn das macht ja gerade Found Footage Horrorfilme aus: ein extrem hoher Realismusgehalt. Diese Filme sind gerade so effektiv in ihrer Schockwirkung, WEIL sie mit wenig Budget auskommen, WEIL die Schauspielerinnen und Schauspieler ganz normale Personen sind. Ganz ehrlich, ich habe eher Angst vor Dingen, die ich NICHT sehe, als vor Dingen, die ich sehe. So wie Lieutenant Ellen Ripley am Ende von Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt die außerirdische Lebensform sucht. Irgendwo da draußen ist es, zwischen den Rohren, zwischen den Schläuchen oder in den Lüftungsschächten. Irgendwo da draußen ist es.


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