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Die große Leinwand und das gemeinsame Erlebnis

Kino: Ein Erlebnis - aber auch allein?


Matt Damon in "The Departed"
© Warner Bros.
Matt Damon in "The Departed"

Ich denke, ich bin nicht der einzige, der dieses Problem kennt: Es kommt ein neuer Film in unsere heimischen Kinos, den man unbedingt sehen will. Im Kino. Dafür werden Filme schließlich gemacht. Der dunkle Saal, die große Leinwand, der ohrenbetäubende Sound. Eben der Ort, an dem ein Film seine volle Wirkung entfaltet.

Man fragt nun also den besten Freund, mit dem man sowieso fast jeden interessanten Film im Kino genießt. Aber wie sich einmal mehr herausstellt, sind Geschmäcker eben doch des öfteren verschieden, und besagter Freund hat keine Lust auf den Film. Aber man kennt ja nicht nur eine Person. So wird also weiter gefragt. Jetzt hat aber die Hälfte aller Freunde den Film schon gesehen. Und die andere Hälfte? Die will ihn nicht sehen, oder hat einfach keine Zeit. Super. Da ist jetzt dieser Film, auf den man sich schon so lange gefreut hat, den man unbedingt im Kino sehen will, und natürlich findet sich genau dann niemand, mit dem man sich den Film anschauen könnte.

Jetzt kann man natürlich sagen, man geht einfach alleine ins Kino. Das ist schließlich nichts besonderes. Es gibt genug Leute, die sich des öfteren Filme alleine im Kino ansehen. Zuhause schaue ich mir ja auch oft genug Filme alleine an. Aber im Kino? Alleine zum Kino fahren, alleine Popcorn kaufen, alleine auf den Beginn des Films warten, alleine wieder zurück fahren - damit kann ich persönlich mich einfach nicht anfreunden.

Das Erlebnis "Kino"

Denn Kino ist für mich eben nicht nur die große Leinwand. Was ich mit Kino verbinde, ist mehr als das. Für mich beginnt das Kinoerlebnis schon mit der Fahrt dorthin. Das gemeinsame Unterhalten darüber, was einen wohl erwarten wird. Spekulationen über Handlung, über Charaktere, über eventuelle Enttäuschungen oder Überraschungen. Kino ist das gemeinsame Kopfschütteln über manche der Werbespots, die gemeinsame Vorfreude, wenn man einen neuen, interessanten Trailer zu Gesicht bekommt oder das gemeinsame Fremdschämen über den neuen Feuchtgebiete-Clip, den die Projektoren gerade auf die große Leinwand vor einem strahlen. Während des Filmes ist Kino für mich das häufige Blicke wechseln bei Schlüsselszenen oder das sich schief anschauen, wenn man gleichzeitig bemerkt, welchen Schwachsinn der Film einem gerade verkaufen will. Und dann ist Kino natürlich das Diskutieren, nachdem der Abspann über die Leinwand lief und man den Saal verlassen hat. Eindrücke austauschen und die Spekulationen, die vor der Sichtung des Films angestellt wurde, wieder aufgreifen und sich gemeinsam über alles Positive und Negative auslassen. Und vor allem unbeantwortete Fragen klären und sich an verschiedenen Interpretationen versuchen.

Das alles ist es, was ich mit Kino verbinde, was für mich das Kinoerlebnis ausmacht. Und deswegen werde ich mir wohl auch niemals einen Film alleine im Kino ansehen. Denn auf all das will ich bei meinem Kinogang nicht verzichten müssen. Auch wenn das heißt, dass ich den Film dann wohl oder übel erst ein halbes Jahr später auf Blu-ray genießen kann.

Wie seht ihr das? Geht ihr auch nicht gerne alleine ins Kino, oder macht euch das nichts aus?

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Hier findet Ihr meine Gedanken rund um das Thema Film und auch andere Medien. Ich schreibe über alles, worauf ich Lust habe und objektivität werdet ihr hier vergeblich suchen. Aber vielleicht gefallen meine Texte ja trotzdem dem ein oder anderen.
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